Am Start sprinten die Athleten rund 30 m weit. Der Athlet schiebt während diesen ersten Metern den maximal 20 cm hohen Schlitten in gebückter Haltung meist mit einer Hand neben sich her. Eine rund 1 cm tiefe Startspur führt den Schlitten und hilft ihn gerade zu halten. Nach einem kräftigen Absprung und einer möglichst sanften Landung auf dem Schlitten geht’s dann so richtig los. Eine Fahrt dauert je nach Bahn 50 75 Sekunden. Man durchfährt auf einer Bahnlänge von 1’200 1’800 m rund 20 Kurven. Eine grosse Herausforderung stellen diejenigen Kurven dar, in denen innerhalb einer guten Sekunde bis zu fünf Steuerbewegungen gemacht werden müssen. Also auch mental höchst anspruchsvoll ! Nach jedem Lauf sollte man genau wissen, wo man wie gesteuert hat, welche Auswirkungen dies hatte, wie man in die Kurven hinein- und wie herausgefahren ist, wie es ein Lauf zuvor war und was nun besser ist. Je präziser man sich die Einzelheiten einprägen kann, desto schneller findet man zur Ideallinie. Dann gilt es „nur“ noch diese fehlerfrei umzusetzen… Wirklich eine überaus spektakuläre Winterrandsportart, bei der athletische und mentale Spitzenleistungen abverlangt werden!
Ausrüstung
Die Skeletonfahrer tragen einen hauchdünnen, eng anliegenden Stoffanzug. Dieser wird im Windkanal auf seine aerodynamischen Eigenschaften getestet und laufend optimiert. Die Bobstartschuhe haben unter dem Fussballen 280 kleine Nägel welche dem Athleten den idealen Halt auf dem Eis beim Start verschaffen. Die dünnen Fingerhandschuhe gehören genauso zur Ausrüstung, wie der den DIN-Normen entsprechende Schutzhelm mit Kinnschutz.
Der wohl wichtigste Teil der Ausrüstung ist der Schlitten, der aus einem mit Kunststoff verkleideten Stahlgerippe besteht. Daher auch der Name Skeleton (Englisch für Skelett).
Der Fahrer liegt in einer rund 15 cm hohen Wanne. Seitlich am Schlitten angebrachte, genau reglementierte Abweiser, schützen ihn vor schmerzhaften Schlägen an der Eiswand (Bankina).
Das Mindestgewicht des 80 120 cm langen Schlittens liegt bei den Männern bei 33 kg, das Maximalgewicht bei 43 kg. Das Gesamtgewicht von Athlet zusammen mit der kompletten Ausrüstung darf nicht höher als 115 kg sein. Männer welche schwerer als 82kg sind, müssen mit dem vorgeschriebenen Mindestgewicht fahren.
Der Schlitten bei den Frauen wiegt 29 bis 35 kg, das Gesamtgewicht beträgt 92 kg.
Die beiden auf hochglanzpolierten Rundstahlkufen sind mittels Stellschrauben am Schlitten befestigt. Mit den „Sprungschrauben“ werden die Kufen in einen Bogen gepresst. So wird die Auflagefläche und das Steuerverhalten des Schlittens verändert. Ein hoher Sprung bedeutet weniger Reibungswiderstand, dafür labilerer Schlitten. Der ideale Sprung hängt immer auch von den Eisverhältnissen ab.
Ursprung des Skeletons
Bereits vor der Erfindung des Rades wurden in den schneereichen Ländern dieser Erde Schlitten als Transportmittel verwendet. Bereits im 18. Jahrhundert wurden in Petersburg und Berlin die ersten Eisbahnen dieser Welt erbaut. Diese geraden, 370 m langen Bahnen dienten dem Freizeitvergnügen.
Als erstes offizielles Schlittenrennen der Welt gilt das internationale Rennen von 1882 welches auf der Poststrasse in Davos ausgetragen wurde. Die ersten grossen sportlichen Wettkämpfe in einer künstlich hergerichteten Eisbahn in der Schweiz wurden 1883 auf dem von Engländer erbauten Cresta-Run in St. Moritz ausgetragen. Diese Strecke existiert noch heute. Auf dem Cresta-Run darf nur fahren, wer Mitglied ist. Die Aufnahme in diesen exklusiven Klub ist schwer und nicht für jedermann möglich.
Der Skeletonsport entstand dann, als die ersten Crestafahrer mit ihren Schlitten die Bobbahn hinunter rauschten. Anders als beim Cresta-Run sind die Kurven der heutigen Bobbahnen überhöht, sodass man nicht über die Kurven hinausfliegen kann. Die erste künstliche Bobbahn entstand übrigens in Königssee (Deutschland) und die letzte, rennmässig befahrene Natureisbahn der Welt steht in St. Moritz.
…und so bin ich der Sucht „Skeleton“ verfallen
Ein Trainingskollege vom LV Wettingen-Baden nahm mich im Herbst 2002 zu einem Probetraining auf die Anschiebbahn in Dienhard mit. Zu meinem Erstaunen war auch Gregor Stähli (zweifacher Weltmeister und zweimal 3. an den olympischen Spielen) dabei. Es stellte sich heraus, dass das Anschieben eines Skeletonschlittens gar nicht so einfach ist, ich aber absolut dafür geeignet bin. Man muss schnell, aber auch sehr beweglich sein! Schon nach ein paar Läufen kam ich schon nahe an die Zeiten von Gregor heran, der auf den ersten 50 m einer der Schnellsten weltweit ist!
Der Nati-Trainer überzeugte mich, dass ich an der Start-Schweizermeisterschaft teilnehmen muss. Nach einem super ersten Lauf war ich auf dem hervorragenden 2. Platz mit nur 4 Hundertstel Rückstand auf Gregor und zwei Zehntel Vorsprung auf den dritten! Eigentlich hätte ich den zweiten Lauf ruhig angehen können, wollte aber auch Gregor bezwingen! Dieses Vorhaben wurde mir zum Verhängnis und ich stürzte im entscheidenden Lauf! Schade, aber trotzdem wurde ich als moralischer Zweiter gefeiert!
Nach diesem „Fast-Erfolg“ wollte niemand mehr etwas davon wissen, ob ich diesen Sport überhaupt ausüben möchte. Schon gar nicht der Nati-Coach! Er drückte mir noch am selben Tag den Antrag für die Internationale-Start-Lizenz in die Finger und sagte, ich solle anfangs November mit dem Kader in ein Trainingslager kommen!
Den kompletten Bericht meiner Erfahrungen in diesem Trainingslager findet ihr natürlich unter der Rubrik „Bericht“…
Weiterhin viel Spass auf meiner Homepage!